15. Tag

In In Kürze:

Provinz: Castilla y León

13. Etappe: Hontanas bis Frómista

Provinz: Castilla y León

Wegstrecke: 34 km noch 467 km bis Santiago

Schritte gelaufen: 51’275

Gewicht gewogen: Eigengewicht 84.1kg / Zuladung (Rucksack) 13.9kg / Total 98 kg

Höhenunterschied: 220 m im Aufstieg und 150 m im Abstieg

Temperatur: morgens 6:30h nur 11 Grad bewölkt / ab Mittag 40+ wolkenlos

Schuhwerk: Salomon Runners

Wasserkonsum: 5 Liter

Inventar an Blessuren:
linker Fuss: 1 grosse Blase an Ferse (fast verheilt)
kleine Blase am Aussenrist hinten (fast verheilt)Neu: Schürfung an Ferse oberhalb Blase

rechter Fuss: 1 mittelgrosse Blase hinten am Aussenrist (fast verheilt)

Neu: kleine Blase an 2. Zehe

Meistens gut markierte in weiten Ebenen Feldwege. Hinter Castrojerez sehr steiler, aber kurzer Aufstieg aus der Senke hinauf auf Hochebene.

Mit Helénè (27), meiner Bettnachberin (unten) starten wir um 6:15h ab der Aubergue, nachdem wir uns dort vorher noch mit Café con leche und frischen Gipfel gestärkt haben. Wir kommen jetzt am Morgen bei kühlen Temperaturen gut voran. Hélène erzählt mir aus ihrem Leben. Sie hat vor 3 Jahren ihr Anwaltsstudium an der Sorbonne mit einem Master abgeschlossen und arbeitet seither in einer Anwaltskanzlei mit Schwerpunkt Arbeitsrecht. Ab September wechselt sie in eine neue Kanzlei, wo der Sohn von Frankreich Präsident François Hollande, der Chef ist. Thomas Hollande (32) hat einen guten Ruf als Anwalt ist aber bis jetzt apolitisch.

Weil heute 1. August (Schweizer Nationalfeiertag) ist schmücke ich meinen Rucksack mit der Fahne und niemand frägt mich mehr woher ich komme?👍 seit heute trage ich gleich zwei neue Namen: die einen nennen mich Crocodile Dundee und die andern meinen ich hätte Ähnlichkeit mit Indiana Jones (wegen Kleidung und Hut)


Jetzt am frühen Morgen ist es frisch und Hélène trägt eine langärmelige Jacke während ich mit meinem kurzärmligen Hemd durchbeisse, weil ich weiss, dass es ab 8h angenehm, ab 10h heiss und ab 12h sehr heiss werden wird. Sie hat vor ein paar Jahren im Zentralmassiv in Frankreich begonnen den Jakobsweg in Teilstücken zu laufen. Dieses Jahr hat sie drei Etappen vor meinem Startort mit zwei Kolleginnen vor zwei Wochen begonnen. Die beiden Freundinnen haben letzte Woche aufgegeben und Hélène wollte auch nur bis Burgos laufen. Weil es ihr gut gefällt, hat sie kurzfristig noch eine Woche Ferien genommen und wird bis Léon laufen.


Nach 15 Minuten kommen wir nach San Antón. Dieser Ort gehört zu den sonderbarsten Ruinen am Weg. Der heutige Jakobsweg führt strikt der historischen Pilgerroute entlang. Deshalb erstaunt es nicht, dass der Weg mitten durch das Bogengwölbe führt, das einst Kloster und Kirche verband. Das Kloster wurde im 12 Jh. als Pilgerhospital des Sankt-Antonius-Ordens gegründet. Den Klöstern des Antoniter-Ordens sagte man im Mittelalter Wunder nach, da viele Pilger vom “Antoniusfeuer” (Ergotismus) geheilt wurden. Durch den Mutterkornpilz, ein Parasit des Roggens, verursachte bei den Menschen Vergiftung und verlief oft tödlich. Die Krankheit kam meistens in Nordeuropa nach mageren Ernten vor, wenn eben auch schlechtes Getreide zur Brotherstellung verwendet wurde. Die “Wunderheilung” bestand schlicht darin, dass die Pilger auf der iberischen Halbinsel auf das dort übliche Weizenbrot umstellten.


Eng mit San Antón ist das T-förmige Tau. Es ist der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets bzw entspricht dem griechischen Buchstaben Tau. In der Bibel wird es als Schutzbringendes Zeichen erwähnt. Auf dem Foto ist es gut erkennbar im Wappen.


Der Anstieg aus der Senke zum Hochplateau auf den Tafelberg Alto de Mostelares (910 m.ü.M) ist kurz aber sehr steil und anstrengend und führt über ein Schotterweg. Ich schaff den Aufstieg in 16 Min und Hélène in 17 Min. (vorgegeben werden 30 Min.). Oben angekommen machen wir eine Pause. Von hier oben geniessen wir eine schöne Rundumsicht in den Talkessel nach Castrojerez und bis zu den Tafelbergen auf der gegenüberliegenden Seite.



Wir treffen ein älteres franz. Ehepaar, dass in die falsche Richtung läuft und sprechen sie an. Ich staune nicht schlecht als ich erfahre, dass die beiden zuerst in F-Le Puy vor 3 Monaten gestartet und bis nach Santiago gelaufen sind und jetzt die gleiche Strecke rückwärts laufen. Es ist schwer den richtigen Weg zu finden, weil alle Zeichen in die andere Richtung weisen. Kurze Zeit später folgt der kurze aber steile Abstieg (18%) und ich bin froh, dass ich meine Kniestützen trage.


Danach folgen unendliche Getreidefelder. Ich komme allmählich zur Überzeugung, dass Spanien die Kornkammer Europas sei muss. Getreide soweit das Auge sieht…


Gegen Mittag kommen wir zur Kapelle San Nicolas. Dieser Ort wird durch 8 italienische Mönche geführt. Sie bieten auch Platz für 8 Pilger für eine Nacht. Hélène will bleiben, während ich noch weiterlaufen will. So trennen wir uns und tauschen Kontaktdaten, um Fotos tauschen zu können (Zarina du kannst  Hélène oder ihre Schwester Aude (24), die wie du am Master ist, kontaktieren, wenn du im August für ein paar Monate nach Paris zum Studium fährst).


Im Inneren sieht es wie folgt aus:


…und hier die Schlafplätze für die Pilger


Ich bin dann in gut zwei Stunden in brütender Hitze alleine über weite Getreidefelder gewandert bis ich unverhofft zum Canal de Castilla komme. Dieser wurde in der Zeit von 1753 bis 1859 über 207 km Länge gebaut. Er diente als Getreidetransport von der Tierra de Campus in den Norden der Region und weite bis zur Atlantikküste. Das Wehr in Frómista, meinem Etappenziel, überwindet 14 Höhenmeter. Bis zu 400 von Maultieren gezogene Lastschiffe verkehrten auf dem Kanal. Seit 1959 wird er nur noch zur landwirtschaftlichen Bewässerung genutzt und von Freizeit Paddlern.


Hier das Wehr mit 14 m Höhenunterschied


Müde und ausgelaugt bin ich gegen 16h in Frómista angekommen und hab in einem Hostal eingecheckt, um mich gut erholen zu können. Abends hab ich mit Marisa, der kanadischen Lehrerin, welche ich in den ersten paar Tagen bis Pamplona zusammen mit Robyn begegnet bin, zum Nachtessen abgemacht. Zum Nachtessen kamen auch Angelo und seine Frau Cristina aus Italien, welche ich am Vorabend in der Albergue in Hontanas kennengelernt habe. Angelo ist ein begeisterter Marathonläufer und seine persönliche Bestzeit von 3:02 ist knapp besser als meine eigene (3:14). Er hat sich auch die Zeit vom New York Marathon auf seinen Unterarm tätowieren lassen sondern auch die Zeit von seinem 100 km Lauf durch die Sahara. Wir genossen einen lustigen Abend zusammen.


Buenos noches!