23. Tag

In In Kürze:
Provinz: Castilla y León

21. Etappe von Santa Catalina de Somoza bis El Acebo

Wegstrecke: 32 km (+ 8)*noch 229 km bis Santiago

Schritte gelaufen: 48’692

Gewicht geschätzt: Eigengewicht 84 kg / Zuladung (Rucksack) 13 kg / Total 97 kg

Höhenunterschied: 695 (+ 200)*m im Aufstieg und 386 (+200)* m im Abstieg

Temperatur: morgens 6:30h nur 8 Grad / ab Mittag 30 Grad, Vormittag wolkenlos / Nachmittag zum Teil stark bewölkt (Berge)

Schuhwerk: Salomon Runners
Wasserkonsum: 5 Liter
Inventar an Blessuren:
linker Fuss: 1 grosse Blase an Ferse (fast verheilt)
kleine Blase am Aussenrist hinten 
rechter Fuss: 1 mittelgrosse Blase hinten am Aussenrist (fast verheilt) 

Nach einer mehr oder weniger guten Nacht (wurde um 4:40 durch ein Telefon unnötigerweise gestört) bin ich um 6:00 aufgestanden und um 6:45 alleine bei Sonnenaufgang abmarschiert. 

Ich fühlte mich gut und bin gut vorwärts gekommen. 

Weil ich alleine unterwegs war, hab ich Music aus meinem i-Pod gehört: Bruce Springsteen, ABBA, Herbert Grönemeier, Udo Lindenberg und Brian Adams trieben mich den Berg hoch. Wahrscheinlich lief es fast zu gut. Ich hab alle Pilger vor mir überholt und war wohl zu fest in die Musik versunken. Nur so kann ich es mir erklären, was eigentlich jedem Pilger mindestens 1x auf dem Jakobsweg passiert, aber ich bis jetzt zum Glück davon verschont blieb. Ich hab mich verlaufen.

Nach einem Stück am Waldrand entlang kam ich an eine Kreuzung ohne sichtbares Camino Zeichen. Aber ich sah einen Wegweiser nach rechts “Rabanal Viejo” und bin diesem steil aufwärts und dann etwas weniger steil weiter x km lang gefolgt (statt links Rabanal el Camino).

Nach fast 30 Minuten fing ich mich zu wundern an, warum ich keine Camino Wegweiser sehe. Gab mir gleich selbst die Antwort, weil es gar kein Abzweiger gibt. Erst nach einer Stunde hielt ich einen entgegenkommenden Bus an und wurde dann über den Irrtum aufgeklärt. Ihr hättet mich hören sollen – zum Glück war ich alleine. So lautstark geflucht hab ich auf dem ganzen Camino noch nie. Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich erst nachn 1 Std bemerkte, dass ich falsch unterwegs bin. Ich musste also wieder den ganzen Weg zurück. Das hat mich am Schluss gut 2 Stunden zusätzliche Zeit und schätzungsweise 8 km Umweg gekostet. Alle diejenigen, die ich schon am frühen Morgen überholt hatte, wunderten sich, dass ich ein paar Stunden später wieder von hinten kam.

Der Rest des Auf- und Abstiegs lief dann problemlos, nur kam ich wegen dem 2-Stunden Umweg am Nachmittag nicht so weit wie ich eigentlich vorhatte. Ich hatte trotzdem Glück im Unglück: Heute war der erste Tag, dass es über die erste Bergeteppa leicht bewölkt war und ich deshalb nicht zu fest unter der Hitze leiden musste 


Hier das Cruz de Ferro (Eisenkreuz) auf dem höchsten Punk des Monte Irago (1’550 m.ü.M). Es ist schlicht aber eines der eindrücklichsten Orte am Jakobsweg. Aus einem grossen Steinhaufen ragt ein langer, schlanker Eisenpfahl, darauf das kleine Eisenkreuz. Der Ursprung ist ungewiss. Es könnte anfänglich ein römisches Wegzeichen oder ein dem röm. Gott Merkur, dem Patron der Reisenden, gewidmeter Altar gewesen und später von den Christen übernommen. Oder es war ein Grenzposten der Ländereien.



Sicher ist, dass seit Jahrhunderten die meisten Pilger am Kreuz einen Stein niederlegen, welchen sie von zuhause mitgebracht und bis hierher getragen haben. Das Gebet des Cruz de Ferro lautet: 

“Herr, möge dieser Stein, Symbol für meine Bemühungen auf meiner Pilgerschaft, den ich zu Füssen des Kreuzes des Erlösers niederlege, dereinst, wenn über die Taten meines Lebens gerichtet wird, die Waagschale zugunsten meiner guten Taten senken. So möge es sein.”

Leute aus dem Südtirol haben erst kürzlich einen grossen Stein niedergelegt (ob die diesen grossen Stein auf dem Rücken hierher getragen haben, entzieht sich meiner Kenntnis 

…aber auch Verliebte

Die Landschaft und Vegetation hier oben erinnert mich wieder eher an die Alpen

Schuhe werden weiterhin auf  unterschiedliche Art entsorgt 

…oder auf Telefondrähten in der Höhe

Windanlagen sieht man auch hier über ganze Berghänge

Ein fantastischer Rundblick erwartet mich zurück in die Meseta und Mühen…

Ich habe dann auf der anderen Bergseite den mühsamen 2 stündigen Abstieg bis El Acebo geschafft 

…und dort übernachtet statt in  Molinaseca weiter unten am Berg. In El Acebo steht eine neue Unterkunft mit Swimmingpool etc speziell für Pilger. Diese wurde schon beim Aufstieg 22 km vorher angekündigt 

…und ich wollte mir in Gedanken dort ein Einerzimmer nach den Strapazen gönnen. Das war vor dem Umweg. 

Eine innere Stimme sagte mir bei Ankunft in El Acebo aber, ich soll nicht in diese chice, neue Unterkunft sondern soll eine einfache Albergue auswählen (wohl als zusätzliche Strafe). So bin ich schliesslich in die von der Kirche unterstützte “Apostal Santiago”eine “donativo” Albergue, die vom Freiwilligen Paar Manuel und Angela geleitet wird. Ich hab es nicht bereut. Wie schon die beiden anderen Male in “donativos” hab auch hier ich die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft gespürt. Obwohl sich die Mitarbeit beim gemeinsamen Nachtessen auf das Tischdecken, abräumen und abwaschen beschränkte und es genügend zum Essen gab und frische Melonen zum Nachtisch. Wir sind ungefähr 20 gewesen; mehrheitlich Italiener, ein paar Südkoreaner sowie ein franz. Paar und ich. Die Südkoreaner haben auf Geheiss der Italiener den Abwasch gemacht. Meine Mitarbeit hat sich hier auf Mithilfe beim Tischdecken beschränkt.

Manuel beim Linsen Suppe ausschöpfen 

Seine Partnerin Angela 

Das Essen war fein und genügend


…und alle haben es genossen 

Jeder kann Hospitalero werden auf  Zeit


Wenn man die Leistungskilometer am Berg als Massstab nimmt, bin ich heute zwischen 50-60 km gelaufen.
Nach dem Nachtessen gab es noch eine Überraschung. Die Leute vom span. Roten Kreuz sind gekommen und haben unsere Füsse kontrolliert und wo nötig behandelt. Ich wollte zuerst nicht, hab dann statt den Sonnenuntergang genossen meine Füsse trotzdem dem Rotkreuz Mann gezeigt. Er wunderte sich, dass ich ohne Unterbrechung mit meinen Blasen soweit gekommen bin. Ich hätte Glück gehabt, die eine Blase hätte sich auch leicht zu einer Blutvergiftung entwickeln können, war sein Kommentar und hat alles neu desinfiziert und verbunden – Grazias!

Das bin nicht ich – Clara aus Brasilien 

…fast jeder hat am Schluss seine Füsse durch die Profis kontrollieren lassen


Manuel, die gute Seele, hat derweil die Schmerzen der Patienten mit seiner Mundharmonika zu mildern versucht


…das hat sich dann drinnen bis 22h hingezogen 

Ich hab mich dann gegen 22:30 ins Kajüttenbett unten zu schlafen gelegt und bin nach diesem anstrengenden Tag sofort eingeschlafen.

Buenas noches!

* die km und Höhenmeter in Klammer oben stehen für den Umweg

Weitere Fotos folgen später wenn Wifi besser läuft