25. Tag

In In Kürze:
Provinz: Castilla y León

23. Etappe von Cacabelos bis La Faba

Wegstrecke: 32 km noch 165 km bis Santiago

Schritte gelaufen: 50’457

Gewicht geschätzt: Eigengewicht 84 kg / Zuladung (Rucksack) 13 kg / Total 97 kg

Höhenunterschied: 450 im Aufstieg und 70 m im Abstieg
Temperatur: morgens 6:30h nur 8 Grad / ab Mittag 35 Grad, ganzer Tag wolkenlos

Schuhwerk: Salomon Runners
Wasserkonsum: 4 Liter
Inventar an Blessuren:
linker Fuss: 

mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten

eine kleine Blase auf vierter Zehe

rechter Fuss: 
1 mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten

Am Anfang folgt der Weg im grünen Tal des Rio Valcarce aber leider parallel dazu führt die Hauptstrasse und hoch oben die doppelstöckige Autobahn.


Wenn kein Verkehr ist hört man angenehm das Rauschen des Flusses. Ab Ruitelán beginnt der Aufstieg zur 2. Bergetappe, zum O Cebreiro Berg. Dieser bildet zugleich die natürliche Grenze zu Galizien, die letzte Region, die ich durchquere, zu welcher auch Santiago gehört. Ich habe im Vorfeld unterschiedliches über die Galizier gehört und habe sie in Gedanken mit den Wallisern in der Schweiz verglichen. Ob es stimmt wird sich weisen. 

Auch heute durchquere ich zuerst viele Rebanlagen

Fast soviel Reben wie im Rioja

Ich bin heute morgen alleine in der wunderschönen Gegend gestartet aber schon nach gut 1 Stunde beim Frühstück in Villafranca hab ich Sara, 29, die Italienerin, getroffen. 

Wir sind dann das flache Stück entlang des Flusses bis Ruitelán zusammen gelaufen. Sie wollte dort bleiben. Sara arbeitet im Marketing für Unilever in Mailand. Sie ist das erste Mal alleine unterwegs und hat ihren Camino wie so viele Italiener in León begonnen und will in ihren Ferien bis Santiago laufen.

Unterwegs sind uns die drei Bekannten Italiener Mirco, Claudio und Ilara begegnet


Ein alter Mann schenkt mir Baumnüsse beim Passieren


Zum ersten Mal hab ich heute auch Pilger gesehen, die ihr Gepäck durch einen Esel tragen lassen

Kunststück mit solchen Füsslingen kann man kein Gepäck tragen..

In Ruitelán haben wir in einer feinen Bäckerei/Café Lunch gegessen.

Zu uns hat sich Pepe, 35, aus E-Estorga gesetzt. 

Pepe ist studierter Forstingenieur, sehr sportlich und will den Camino auch ab León bis Santiago zu Fuss gehen. Seine Freundin hat heute Morgen den Fuss verstaucht und ist deshalb mit dem Bus zum Gipfel des O Cebreiro gefahren und dort in die Aubergue eingecheckt. Pepe will zu Fuss nach oben marschieren. Das hat sich gut getroffen, denn Sara will hier bleiben und Pepe mit mir die 2. Bergetappe angehen. Wobei ich heute nur 2/3 der Bergetappe bis La Faba machen will und dort in der deutschen Herberge übernachten. 

Zusammen mit Pepe hab ich dann mit zügigem Schritt die 2. Bergetappe in Angriff genommen. Pepe wunderte sich ein wenig, das ich ihm problemlos auch in den steilen Wegpartien folgen konnte. Ich hingegen war ein wenig stolz, dass ich mit einem 20 Jahre jüngeren, gut trainerten Mann gut mithalten konnte. 


Auf halbem Weg im Weiler Las Herrerías haben wie uns in den kalten Bach gestellt und unsere Füsse gekühlt…

…bevor es weiter sehr steil bergauf durch den dichten Laubwald ging. Wir haben für das letzte Stück bis La Faba genau 35 Minuten benötigt, obwohl der Guide eine gute Stunde Marschzeit vorsieht. Ich muss zugeben ich bin auch ziemlich gefordert worden, dem forschen Schritt von Pepe folgen zu können. 


Aber wahrscheinlich hat es mein Ergeiz nicht zugelassen, dass ich Pepe hätte ziehen lassen (@ Lothar und Jonas von PPO:  wahrscheinlich wäre ich seit meiner Marathonzeit noch nie so gut vorbereitet gewesen wie jetzt den Jungfrau Marathon zu bestreiten).

Nach Ankunft in La Faba, in der deutschen Herberge, haben wir uns gleich in den Pool gesetzt und die Beine gebadet. Ich bin in die nahe Bar und hab zwei grosse Bier geholt zum Anstossen. Pepe hat nach einer Stunde im Pool seinen Weg auf den Gipfel, wo die Freundin wartete, fortgesetzt. 

Ich habe bei den beiden sehr netten, ehrenamtlichen Deutschen Hospitaleras (Freiwilligen) eingecheckt und war angenehm überrascht wie die ganze Anlage sehr sauber, gut organisiert und gross gehalten (Waschräume) wird (sprichwörtliche deutsche Gründlichkeit und Sauberkeit). Mir wurde ein Bett unten im Keller zugewiesen, was ich schätzte, denn dort war es angenehm kühl. 


Nicht umsonst hab ich von dieser Herberge schon lange im Voraus gehört, denn La Faba hat unter den Jakobspilger den Ruf einer “deutschen Herberge”erworben, deren Sauberkeit in der landschaftlichen bevorzugten Lage immer wieder lobend erwähnt wird. Die Aufsichtspersonen kommen bislang ausnahmslos aus Deutschland und die Betreuung vor Ort durch die Freiwilligen wird meistens in monatlichem Turnus sichergestellt. Heute war Brigitte aus Leonberg bei Stuttgart und ihre Kollegin anwesend. Sie hat mir auch gesagt, dass der Hauptsponsor ein Schriftsteller ist und durch den Verkauf seiner Bücher ein Vermögen gemacht hat. Durch die Gründung des Vereins “Ultreia zur Förderung der mittelalterlichen Jakobswege mit Sitz in Stuttgart” erfuhr La Faba eine Wiederbelebung als Begegnungsstätte zahlloser Pilger aus aller Welt. 


In der Herberge, die der Deutschen  Gesellschaft Ultreya gehört, kostet die Übernachtung für Pilger nur € 5 und für diejenigen, die ein schwäbisches Lied oder Gedicht auswendig aufsagen können, übernachten kostenlos. Das hat einen Grund: Hauptsponsor der Herberge ist der deutsche Schriftsteller Dr. Gerhard Raff. Das mit dem Gedicht hab ich leider zu spät erfahren, obwohl es in meinem Führer steht 🙁

Die Bronze Statue im Garten wurde 2004 durch Herzogin Diane von Würtenberg finanziert.


In der Herberge gibt es zwar eine grosse Küche aber jeder muss selbst kochen. Ich habe es deshalb vorgezogen mit den drei Italiener Claudio, Mirci und Ilara in der nahen Bar im Ort zu essen.

Auch die sanitären Räume sind gross und zweckmässig eingerichtet 


…4 Waschmaschinen und genügend Platz zum aufhängen 


Gute Nacht!

Anmerkung: ich habe auf dem ganzen Jakobsweg bisher noch nie so gut geschlafen wie hier in der deutschen Herberge in La Faba. Die Matratzen sind einfach toll und sorgen für einen himmlischen Schlaf. Ich kann jedem Pilger mit gutem Gewissen empfehlen hier zu schlafen. Leider muss man bis 8h am nächsten Morgen die Herberge verlassen und Punkt 22h ist am Abend Lichterlöschen.