27. Tag

In Kürze:

Provinz: Autonome Region Galicien

25. Etappe von Triacastela bis Ferreiros

Wegstrecke: 37 km noch 102 km bis Santiago

Schritte gelaufen: 61’886

Gewicht geschätzt: Eigengewicht 84 kg / Zuladung (Rucksack) 13 kg / Total 97 kg

Höhenunterschied: 520 m Aufstieg und 530 m im Abstieg

Temperatur: morgens 6:30h 12 Grad / ab Mittag 35 Grad, ganzer Tag wolkenlos

Schuhwerk: Salomon Runners

Wasserkonsum: 4 Liter

Inventar an Blessuren:

linker Fuss: mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten, eine kleine Blase auf vierter Zehe

Neu: kleine Blase an kleiner Zehe

rechter Fuss:
1 mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten

Die Landschaft hier in Galicien ist sehr ländlich geprägt und führt durch viele kleine Dörfer und Weiler. Überland durchstreifen wir Weiden und Wälder mit knorrigen Eichen. Typisch für Galicien sind Pasadoiros (grosse Steinplatten) zur Überquerung von Bächen.


Ich starte heute morgen absichtlich alleine obwohl ich Claudio, Mirco und Ilara beim Frühstück treffe. Ich möchte wieder einmal alleine laufen, um Zeit zu haben meinen Gedanken nachzuhängen. Kaum bin ich gestartet spricht mich nach 10 Minuten ein junger, grosser Mann mit rotblonden Haaren an. Er stellt sich als Erin (25) aus Utrecht, Niederlande vor. Er hat vor kurzem sein Wirtschaftsstudium in Belgien abgeschlossen und wird Ende August bei Ernst & Young in Amsterdam als junger Buchhalter einsteigen.

Wir laufen dann zusammen, weil wir den gleichen Pace haben und machen ein Selfie 


Wir kommen zu einem Donativo, wo frische Säfte und Früchte, Kaffee, Marmelade, Haferflocken, Milch und Honig gratis angeboten werden. Wer will kann etwas spenden. Zudem werden Sitzgelegenheiten bereitgestellt. Das ganze hat einen esoterischen, leicht Hippie angehauchten Touch. Trotzdem lassen wir uns für 15 Minuten nieder und ich geniesse die ersten BIO Haferflocken mit Rosinen, Bananen und BIO Mandelmilch (gibt es auch konventionelle Mandelmich?). Ich lasse mich auf einem der Fauteuils nieder und schaue mich um. Ich vermute, dass wir auf einem Demeter Bio Bauernhof gelandet sind. Die Atmosphäre ist locker und eine Wahrsagerin informiert eine andere Frau über deren Zukunft. Ich versuche sie (die Zukunft) lieber in die eigene Hände zu nehmen.




Das überzeugt


Das hat was


Kluge Weisheit


Alpaufzug gibt es auch in Spanien

Erin ist es sichtlich unwohl hier, deshalb gehen wir weiter unsern Weg. Zwei Stunden später machen wir Halt an einer Bar.

Erin isst eine frisch zubereitete Tortilla und ich einen selbstgemachten Mandelkuchen mit Cola. Ich muss zugeben, ich habe noch nie soviel Cola wie hier auf dem Camino getrunken. Aber ich spüre wie früher während meinen Marathonläufen, dass Cola sofort Energie und Kraft liefert. Mir ist natürlich klar, dass es der Zucker ist. Unterwegs trinke ich tagsüber nur Wasser.

Die Stöcke sind auch nützlich gegen aggressive Hunde.


Nach 15 Minten wandern wir weiter und treffen unterwegs Ilara. Ich habe die beiden miteinander bekannt gemacht, weil sie ähnlich jung sind. Sie haben sich viel zu erzählen gehabt und ich war froh, wieder alleine zu sein und bin etwas schneller gelaufen, weil ich eine grosse Etappe vor mir habe. In Siarra hab ich kurz halt gemacht und Tape gekauft, um damit die heiklen Stellen an den Füssen abzukleben. Danach hab ich mir noch eine Paella und ein grosses Bier zum Mittagessen gegönnt.


Frisch gestärkt ging es los, die letzte aber anstrengende Etappe in Angriff zu nehmen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass das Laufen nach 14h am anstrengendsten wird. In dieser Zeit trinke ich am meisten Wasser. Gegen 16h hab ich mich an einer Bar auf dem Weg mit einer Cola und 1.5 l Wasser eingedeckt. Dabei hat mich ein Mann in meinem Alter mit junger, hübscher Freundin angesprochen. Álvaro (51) hat heute morgen mit seiner 19-jährigen Tochter Claudia den Camino in Sarria begonnen. Er ist Laborleiter in Córdoba und die Tochter studiert Architektur. Sie haben gestern versucht einen anderen Camino ab Sevilla zu laufen. Ausser ein paar Koyoten ist ihnen aber niemand begegnet, deshalb haben sie beschlossen, den “normalen” Camino ab Sarria zu laufen. Leider spricht Álvaro schlecht Englisch und ich noch schlechter Spanisch. Deshalb musste unser Gedankenaustausch über Claudia übersetzt werden.


Wir sind dann zusammen bis zu meinem Etappenziel in Ferreiros gewandert und Claudia war sichtlich erleichtert. Trotz der Sprachbarrieren haben Álvaro und ich uns gut verstanden und waren uns auf Anhieb sympathisch. Wir haben an der Bar noch etwas getrunken, er wollte unbedingt meine Blog Adresse damit er die Fotos anschauen kann und einen Kommentar in Spanisch schreiben. Vor dem verlassen informierte er mich noch über einen alten Brauch am Finisterre:

1. als Pilger muss man dort nackt baden

2. die Kleider muss man verbrennen (um ein neues Leben zu beginnen)

3. tja diesen hat er vergessen, aber wir werden beide googlen um es herauszufinden

Zum Abschied sind wir zusammen noch bis zum km Stein 100 gelaufen und haben Fotos gemacht. Er und Claudia sind dann noch 10 km weiter bis Portomarin gewandert.


Ich habe Stephan und Angi am Stein getroffen und später zusammen mit ihnen das Nachtessen eingenommen (nachdem sie ihr Zelt aufgestellt hatten).


Die Aubergue hat mich übrigens eher an ein modernes Einfamilienhaus erinnert.


Sehr gross, geräumig und modern eingerichtet.


Buenos noches