28. Tag

In In Kürze:

Provinz: Autonome Region Galicien

26. Etappe von Ferreiros bis Palas de Rei

Wegstrecke: 36 km noch 66 km bis Santiago

Schritte gelaufen: 56’649

Gewicht geschätzt: Eigengewicht 84 kg / Zuladung (Rucksack) 13 kg / Total 97 kg

Höhenunterschied: 609 m Aufstieg und 826 m im Abstieg

Temperatur: morgens 6:30h 12 Grad / ab Mittag 35 Grad, Vormittag leicht bewölkt, Nachmittag wolkenlos

Schuhwerk: Salomon Runners

Wasserkonsum: 4 Liter

Inventar an Blessuren:

linker Fuss:
mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten
eine kleine Blase auf vierter Zehe
kleine Blase an kleiner Zehe hat sich entzündet

rechter Fuss:
1 mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten

Die Landschaft ist satt grün, aber die Wälder werden lichter. Deshalb geht es immer wieder über schattenlose Hochebenen, die jetzt im Sommer sehr heiss sind. Am Nachmittag ist die Hitze unter der Sonne erdrückend heiss, vor allem wenn wie jetzt kein Wind weht. Die Hitze kann nur mit viel trinken kompensiert werden. Trotzdem ist die Gegend sehr schön und wenn man durch die vielen Weiler und Dörfer marschiert, fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt. Die vielen antiken Kirchen und Kapellen stellen die Kulisse dazu. Nur die wenigen Autos stören. Sonst ist der Alltag hier meistens durch Landwirtschafr geprägt. Mir scheint, dass in allen Weilern und Dörfern hier mehr Landwirte als andere Berufe tätig sind. Zudem wird ein hoher Selbstversorgungsgrad vermutet. Die rasche Abfolge kleiner Dörfer macht es kurzweilig.

Ich starte um 6:30h alleine und bleibe es auch den ganzen Tag. Das hat auch damit zu tun, dass ich wegen meinem Zeitplan den meisten meiner Pilgerfreunde um 1-3 Tage voraus bin. Viele werde ich aber am Freitag in Santiago treffen, so hoffe ich wenigstens. Ich bin jetzt zügig unterwegs, mach Vormittags eine Viertelstunde Pause und am Mittag gut eine Stunde, meistens eher 1.5 Stunden wegen der Mittagshitze.

Ich bin froh, dass der gut gehörnte Stier hinter dem Zaun steht.

Einige Pilger haben ihre Geschlechtszugehörigkeit hinten auf die Wade tätowiert, damit es wohl zu keinen Verwechslungen kommt.


Andere haben ihre Religionszugehörigkeit auf die Wade verewigt.

Jetzt tritt auch der Kommerz in den Vordergrund. Alles was man zu Geld machen kann wird verkauft.

Auf der positiven Seite darf erwähnt werden, das es mehr Donativos hat.

…oder wie Shawn, ein Engländer der hier wohnt und in Zürich die internationale Schule besuchte und deshalb mich auf Schweizerdeutsch begrüsste als er meine Fahne sah. Shawn offeriert jeden Tag den Pilger etwas zum Essen und Trinken

…und hat sich den Jakobsweg auf den Oberkörper tätowieren lassen

Schade nur berichtet Shawn, dass Pilger seinen Stall als WC benutzten, obwohl klar gekennzeichnet war, dass dies keine Toilette ist. Jetzt hat er ihn mehrfach abgeschlossen und verriegelt.

Verschiebungen mit Kühen durch das Dorf führt zu Staus unter den anrückenden Pilger.

Pilger hat es zuerst seit León und jetzt ab Sarria nochmals deutlich mehr. Morgens sind jeweils ganze Volksscharen unterwegs. Das hat damit zu tun, dass für die Erlangung der Compostela (kirchliche Urkunde) die letzten 100 km nachweislich zu Fuss zurückgelegt werden müssen. Ab Sarria sind es noch 100 km bis Santiago. Tagsüber verteilt es sich jeweils besser.

In Portomarin passiere ich einen Stausee. Dieser wurde künstlich angelegt und das ursprüngliche Dorf ist im See versunken.

Das neue Dorf ist ein Produkt aus den 60-er Jahren des 20. Jh. Damals wurde der Rio Miño für den Embalse de Belesar aufgestaut. Das alte Dorf, einst einer der blühendsten und reichsten Orte Galiciens, verschwand vollständig im Wasser. Lediglich die Kirchen San Pedro und San Nicolás wurden Stein für Stein abgetragen und am neuen Ort wieder aufgebaut. Die festungsähnliche Iglesia de San Nicolás (Ende 12 Jh.) ist Werk eines Schülers des Meisters Mateo, Schöpfer der Pórtico de La Gloria, der Kathedrale von Santiago.

Der Abstieg zum Stausee ist durch eine halsbrecherische Treppe erreichbar. Ok es gibt einen Umweg, aber dieser ist 30 Min länger.

Die Café con leche, welche ich gerne morgens konsumiere, werden immer schön angerichtet.

Auch passiere ich hin und wieder ein Grab auf dem Weg. Dieses hier ist reich geschmückt.

Unterwegs gibt es häufig mobile Verpflegungsstationen (keine Donativos). Meistens nach steilen Aufstiegen. Hier kostet dann eine Büchse Cola € 2 bis € 3 – eine Frechheit, aber man hat keine Wahl.


Gärten sind manchmal auch fantasievoll dekoriert.


Manche Privatbesitzer haben einfallsreiche Schilder zur Abschreckung.

Ich bin froh gegen 17h endlich in Palas de Rei anzukommen. Wundere mich aber, dass ich fast eine Stunde brauche um ein freies Bett zu finden. Schliesslich finde ich ein Privatzimmer in einem Pavillon mit Bad und grossem Vorplatz für € 40. Man merkt die Preise richten sich nach der Nachfrage.


Ich gönne mir eine Pizza und ein grosses Glas Bier, mache Wäsche und schreibe am Blog bevor ich ins Bett falle und sofort einschlafe.

Buenos noches