29. Tag

In Kürze:

Provinz: Autonome Region Galicien

27. Etappe von Palas de Rei bis Camino das Ocas

Wegstrecke: 34 km noch 35 km bis Santiago

Schritte gelaufen: 63’468

Gewicht geschätzt: Eigengewicht 84 kg / Zuladung (Rucksack) 13 kg / Total 97 kg

Höhenunterschied: 520 m Aufstieg und 680 m im Abstieg

Temperatur: morgens 6:30h 15 Grad / ab Mittag 35 Grad, Vormittag leicht bewölkt, Nachmittag: wolkenlos

Schuhwerk: Salomon Runners

Wasserkonsum: 4 Liter

Inventar an Blessuren:

linker Fuss: mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten, eine kleine Blase auf vierter Zehe. Kleine Blase an kleiner Zehe ist besser

rechter Fuss: eine mittelgrosse Blase am Aussenrist hinten


Noch immer verläuft der Weg durch die schier endlose Kette von Weilern, Siedlungen und kleinen Dörfern, die alle hauptsächlich durch kleinstrukturierte Landwirtschaft geprägt sind. Traktoren kommen einem entgegen und Vieherden ziehen durchs Dorf.


Das Klima wird merklich milder, dass merkt man auch dadurch, dass die Morgentemperaturen steigen und ich jetzt problemlos ohne Jacke starten kann. Palmen, Kakteen und Bananenstauden bereichern hier und da die Vegetation. Immer öfter führt der Weg durch  duftende Eukalyptuswälder.


Die Koalas aus Australien würden sich hier wohl fühlen und sich an den Blätter vollfressen. Wer wie ich gedacht hat, dass der Weg nach den letzten Bergetappen flach nach Santiago führt, liegt falsch.

Ein ständiges auf und ab und ein Höhenzug nach dem andern muss überwunden werden. Wenn man die überwundenen Höhenmeter anschaut ist es fast wie in den Bergen nur mit einem Unterschied, dass es hier mehrmals täglich auf der einen Seite hoch und auf der anderen Seite wieder runter geht.


Ich starte morgens jetzt erst gegen 7h, weil es vorher einfach zu dunkel ist und ich trotz Stirnlampe nicht einen Wegweiser verpassen will. Hell wird es jetzt erst gegen 7:30h oder noch später. Man merkt, dass die Zeit in Spanien nicht dem lokalen Tageszyklus sondern der EU (MESZ) angepasst ist. Ich laufe alleine los und höre Musik aus dem i-Pod.

Man spürt jetzt auch deutlich, dass es auf die Zielgerade nach Santiago geht. Immer mehr Pilger sind vor allem morgens unterwegs. Ich unterscheide dabei 5 Typen von Pilger:


1. Pilger “normal”, der wie ich sein ganzes Gepäck selbst trägt und schon länger unterwegs ist (an Wadendicke und Beinfarbe leicht auch abends ohne Rucksack zu erkennen). Er schläft meistens in Albergues oder Hostals.

2. Pilger “light”, trägt nur einen leichten Tagesrucksack, weil sein Gepäck von Etappenziel zum nächsten transportiert wird (meistens Hotel zu Hotel). Waden normal und Beinfarbe weiss.

3. Pilger “zero”, trägt gar keinen Rucksack sondern nur kleine Handtasche, damit Make-up jeweils in den Pausen nachgebessert werden kann (schläft in den besten Hotels). Weder Wadendicke noch Beinfarbe zu erkennen, weil sie oft mit langen Hosen unterwegs sind.

4. Taxi Pilger Ich habe seit Sarria noch nie soviel Taxis mit verdunkelten Scheiben gesehen. Meistens laden diese ihre Pilgergäste diskret in einer Nebenstrasse auf und am Zielort wieder aus.
Es gibt aber dreiste Pilger, die schrecken nicht davor zurück, den Taxi vor die Gaststätte zu bestellen, wo sie und andere Pilger am Essen und Trinken sind. Wohlgemerkt soweit ich beurteilen konnte, sind das Pilger ohne Gebrechen vielleicht einfach etwas müde. Da kann ich nur sagen: schämt euch!

5. Schliesslich gibt es noch den “hardcore” Pilger. Dieser trägt trotz Blasen, Leiden und Schmerzen seinen grossen Rucksack. Schläft draussen im Zelt und läuft wenn nötig in seinen Flip-Flops.

Mir gefällt es aber nach wie vor gut auf dem Camino, obwohl ich abends nach den langen Etappen und viel Sonne ziemlich müde bin und schnell einschlafe. Ich habe übrigens in den über vier Wochen seit ich unterwegs bin noch keinen Tropfen Regen gesehen und meine Regenpelerine ist noch in Originalverpackung.

Buenas noches!