3. Tag

In Kürze:

3. Etappe: Zubiri bis Pamplona 

Wegstrecke: 24 km

Gewicht: Eigengewicht 85 kg / Zuladung (Rucksack) 17 kg / Total 102 kg

Höhenunterschied: 200 m im Aufstieg und 240 m im Abstieg

Temperatur: 35 Grad (offiziell) 40+ (gefühlt)


Landschaft:  nach schönen Wegabschnitten entlang des Rio Arga, beginnt im unteren Teil des Tales der Grossraum Pamplona. Interessant ist auch die wechselnde Vegetation entlang des Camino.



Der Jakobsweg führt problemlos durch die grösste Stadt entlang des ganzen Camino. In der Stadt selbst sind die Markierungen sehr engmaschig am Boden markiert und sogar ein Blinder würde so den Weg finden.


Für meinen linken Fuss war diese Etapppe eine Tortur. Durch den steilen Abstieg der letzten beiden Tage hat sich an der Ferse eine Fünflieber grosse Blase gebildet, die in der letzten Nacht stark zu eitern begann. Am Morgen war die Wunde so stark entzündet (ja ich weiss, ich hätte mich früher darum kümmern sollen), dass es unmöglich war meine geschlossenen Trekkingschuhe anzuziehen. Ich hatte keine grosse Wahl: entweder musste ich ein paar Tage aussetzen, den Bus nach Pamplona nehmen oder ich versuchte es mit den Crocs (nach hinten offene Plastik Schuhe). Diese sind eigentlich dafür gedacht, dass ich in den öffentlichen Albergues und Hostals mit diesen duschen könnte und sie als “Hausschuhe” in der Unterkunft verwenden, weil die Trekkingschuhe in den Innenräumen nicht erlaubt sind. 


Ich entschied mich dafür, diese Etappe mit den Crocs zu laufen. So konnte sich meine Ferse, nachdem ich die Wunde mit Merfen desinfiziert hatte, erholen. Der Weg nach Pamplona ist unbefestigt und streckenweise mit grösseren Steinen vesetzt und leicht abfallend. Zwischendurch sind paar Hügel zu überqueren. Der Aufstieg war nicht allzu anstrengend und gut zu bewältigen aber der Abstieg jeweils umso mehr. Ich musste wie mit Eiern jonglierend ganz vorsichtig und langsam den Abstieg vornehmen. Viele Pilger schauten mich ungläubig an, einige schüttelten den Kopf und dachten wohl ich sei verrückt mit “Hausschuhen” diesen Weg zu laufen. Viele tragen richtige Bergschuhe.

Der Weg führt auch an einer Abtei vorbei. Der südafrikanische Besitzer wollte eigentlich nur das dazugehörende Wohnhaus und die Gartenanlagen kaufen. Der Bischof machte aber zur Bedingung, dass er die dazugehörende Kapelle miterweben muss. Was blieb ihm anderes übrig. Er versucht nun diese aufwändig zu restaurieren und hofft auf Zuwendungen der vorbei kommenden Pilger…


Ich bin dann gegen 16h in Pamplona angekommen und wollte eigentlich eine Massage für meine Füsse buchen. Leider war es für mein lädierter Fuss heute nicht möglich, obwohl ich das Angebot günstig fand.


Deshalb hab ich mich stattdessen gleich in ein Hotel in der Innenstadt einquartiert, weil ich mich nach dem anstrengenden Tag ausgelaugt und müde fühlte und zudem vieles zu erledigen hatte u.a. wollte ich 4-5 kg Gepäck nach Hause schicken. Zuerst ging ich in eine gute Apotheke und der Chef persönlich beriet mich. Nachdem er meine Wunde gesehen hatte verschrieb er mir Antibiotika, weil eine Blutvergiftung drohte. Er wunderte sich, wie ich den Abstieg mit diesem Fuss schaffte. Gleichzeitig verkaufte er mir Gase und eine entzündungshemmende Salbe. Ich bekam den Eindruck, dass die Apotheken hier spezialisiert sind auf die Nöte der Peregrinos. Dann ging ich zurück ins Hotel und stellte die Sachen zusammen, die ich nach Hause schicken wollte. Es waren vor allem Kleider und Freizeitschuhe für abends nach dem Marsch. Aber dafür hatte ich ja meine Crocs…

Im Postoffice wurde ich eines Besseren belehrt. Eine junge Pilgerin neben mir beim Warten in der Schalterhalle überzeugte mich die Sachen nicht nach Hause sondern an mich selbst ans Ziel nach Santiago zu senden. So stehen frische Kleider und Schuhe  für die Feier bei Ankunft bereit. Ich befolgte den Ratschlag und bin gespannt, ob ich meine Sachen wohlbehalten in ein paar Wochen in Santiago in Empfang nehmen kann. 
Dann hab ich mich zum wohlverdienten Apéro aufgemacht und zum anschliessenden Nachtessen, wo ich KollegInnen getroffen habe, die mir vorher unterwegs begegnet sind. Alle staunten, dass ich es in den Crocs nach Pamplona schaffte.

Buen Camino!