Jakobsweg und Yachtmaster

JakobswegYachtmaster

Einführung

Als Ausgangslage habe das Glück, dass ich ein Sabbatical machen kann und habe mir überlegt was ich in dieser Zeit unternehmen könnte. Bald wurde mir klar, dass ich als aktiver Mensch wie im Geschäftsleben auch jetzt während der Auszeit etwas unternehmen möchte. Weil ich mich gerne outdoor bewege wurde bald klar, dass ein Fernwanderweg eine echte Herausforderung für mich sein könnte. Als ich mich näher damit befasste stellte sich der Jakobsweg als eine gute Möglichkeit dar, wo ich meinen Drang mich zu bewegen und Zeit finden kann sowohl Rückblick auf mein Berufsleben aber auch Ausblick auf was mich in Zukunft erwarten könnte, zu verwirklichen.

Weil aber auch das Segeln seit über 10 Jahren meine grosse Leidenschaft geworden ist, möchte ich im 2. Teil meines Sabbaticals meine Fähigkeiten sowohl praktisch wie theoretisch vertiefen. Ich habe schon lange den Schweizer Hochseeschein aber was mir noch fehlt sind die vertieften Fachkenntnisse und Zusammenhänge, um ein Schiff sicher auf der ganzen Welt bei jeder Wetterlage als Skipper führen zu können. Die englische Ausbildung unterscheidet sich massgeblich von der Deutschen indem die praktische Ausbildung im Vordergrund steht und mit der theoretischen ergänzt wird und nicht umgekehrt. Als grosse Seefahrernation können die Engländer auf eine lange Tradition zurückblicken. Die Ausbildung zum RYA (Royal Yacht Association) YACHTMASTER (YM) wird auf der ganzen Welt nach gleichen Grundsätzen in Modulen durchgeführt und auch anerkannt und für die höchste Ausbildung zum YM Ocean dauert sie 19 Wochen. Der YM Ocean ist praktisch der Ritterschlag im Yachtsport und befähigt auf der ganzen Welt Schiffe bis 250 t auch kommerziell als Skipper zu führen. Ich habe im Moment nicht vor das Hobby als Beruf zu machen aber finde Freude daran neue Herausforderungen zu finden und werde den Kurs ab Ende August in UK-Cowes (Isle of Wight) beginnen und ab Ende September in Sydney fortführen. Wenn ich die Ausbildung im nächsten Januar mit der Prüfungsfahrt von Sydney nach Hobart (Tasmanien) abschliessen werde, hoffe ich diese Ausbildung auch erfolgreich zu beenden.

Meine Kinder haben auf ihren einjährigen Jugendauslandsaufenthalten mit Rotary jeweils über ihre Erlebnisse einen Blog geschrieben. Das scheint mir im digitalen Zeitalter eine moderne Form des Tagebuchs zu sein. Ich habe mich deshalb auch dazu entschlossen über meine Erlebnisse auf dem Jakobsweg wie auch später auf der Ausbildung zum Yachtmaster in Form eines Blogs festzuhalten. Es freut mich natürlich, wenn ich ab und zu Feedbacks von der Lesern erhalten werde. Bitte habt Verständnis, wenn ich in unregelmässigen Abständen mich zu Wort melde. Ich möchte Euch mit dem Blog auf dem Jakobsweg auch nicht das Pilgern schmackhaft machen und auch nicht dazu ermuntern den Yachtmaster zu erlangen sondern Euch und nicht zuletzt auch mir selbst gegenüber festhalten, was ich in den nächsten Monaten erleben werde..

Anreise Jakobsweg

Ich werde den Jakobsweg von der franz. Seite der Pyrenäen beginnen ab dem letzten Ort auf franz. Seite Saint-Jean-Pied-de-Port (SJPDP) und werde nicht nur bis Santiago de Compostela laufen sondern bis ans Meer ans Cap Finisterre (100 km weiter). Dort steht der km 0 Stein des Jakobswegs und bedeutete das Ende der Welt solange bis Kolumbus Amerika entdeckte. Während meiner Jungfernfahrt mit YAKIRA haben wir auf der Überquerung der Biskaya das Cap Finisterre umrundet und wussten damit den schwierigsten Teil geschafft zu haben, denn ab dort ging es gen Süden der Sonne entgegen. Nun möchte ich dieses Cap auch von der Landseite erkunden.

Man muss dazu wissen, dass es DEN Jakobsweg gar nicht gibt. Der Jakobsweg ist vielmehr ein Netz von Routen welches ganz Europa überdeckt und als Ziel das Grab des Apostel Jakobus in Santiago de Compostela im Nordwesten von Spanien hat. Heute meint man meistens den Camino Francés, wenn man vom Jakobsweg spricht. Dieser beginnt in den Pyrenäen und zieht sich durch Nordspanien. Der Name Camino Francés stammt aus der Zeit wo Napoleon die Region Navarra in Spanien eroberte. Weiter nördlich führt der Camino del Norte am Meer entlang nach Santiago.

Ich nimm mir für meinen Jakobsweg (Camion Francés – rot eingezeichnet) 35 Tage also 5 Wochen in Anspruch (vorgesehen sind wöchentlich 6 Tage wandern und 1 Tag ruhen). Für die 900 Kilometer ergibt dies eine durchschnittliche Tagesetappe von ca. 30 Kilometern für 30 Wandertage. Natürlich kann man nicht jeden Tag dieselbe Leistung erbringen – schon gar nicht wenn man am Anfang mit sehr großen Höhenunterschieden zu kämpfen hat. Dennoch ist es möglich, den Camino Francés in dieser Zeit zu schaffen. Ich bin gut vorbereitet und habe seit November darauf trainiert fit zu werden. Ich bin in dieser Zeit 1‘400 km gejoggt/gewandert und habe 9 kg abgenommen. Als Höhepunkt in der Vorbereitung kann ich den Rigimarsch erwähnen. Dieser führte in der Nacht zu Auffahrt (5. Mai) von Bremgarten AG auf die Rigi. Ich bin abends um 19:30 gestartet und bin am nächsten Morgen trotz Kälte und Schnee um 7h auf der Rigi gestanden. 65 km und 1‘400 Höhenmeter in unter 12 Stunden.

Ich hoffe auf dem Weg auch Zeit und Muse zu finden, um die Vielfältigkeit des Landes, der Kultur und der Menschen erfassen und hier darüber berichten zu können.

  1. Tag – Zürich – Paris – Bordeaux – Bayonne – Saint-Jean-Pied-de-Port Am Freitag 15. Juli werde ich von Zürich nach Paris fliegen und dort übernachten. Am Samstagmorgen reise ich dann mit dem TGV von Paris-Montparnasse nach Bordeaux. Dort wechsle ich auf den Regionalzug nach Bayonne und für die letzte Strecke steige ich auf den Bummelzug nach SJPDP um. Ich hoffe gegen Abend in SJPDP anzukommen und werde mir dann eine Unterkunft für die erste Nacht suchen.