1. Tag

In Kürze:

1. Etappe: St. Jean Pied de Port (Frankreich) bis Roncevalles (Spanien)

Wegstrecke: 27 km

Gewicht: Eigengewicht 85 kg / Zuladung (Rucksack) 17 kg / Total 102 kg

Höhenunterschied: 1’270 m im Aufstieg und 480 m im Abstieg
Landschaft: die “Route Napoleon” ist bei schönem Wetter ein einzigartiges Erlebnis. Immer wieder bieten sich wunderschöne Ausblicke in Täler und auf umliegende Berge. Auf der franz. Seite werden  Kuh- und Schafsweiden passiert – praktisch ungeschützt in offenem Gelände. Auf der spanischen Seite führt die Route meist durch Wälder aber mit sehr steilem Abstieg.

Temperatur: 35 Grad im Schatten (Anmerkung: beim Aufstieg gab es kein Schatten)

Pässe: 2 Pässe werden überquert: Col de Bentarte und Col Lepoeder

Ich bin am Sonntagmorgen unfreiwillig schon um 4h geweckt worden, weil eine junge Amerikanerin schon um diese Zeit loslaufen wollte. Wie ich am Vorabend beim gemeinsamen Nachtessen erfuhr, beabsichtigt Laura den Jakobsweg in 7-8 Tagen abzuspurten (zum Vergleich: ich habe mir 30 Lauftage vorgenommen). Das sind 100 km täglich für Laura Knoblauch, so heisst die Amerikanerin. Sie ist eine Ultra Triathletin was heisst, sie bestreitet 2 Triathlons (Schwimmen, Radfahren und Marathon rennen)  direkt nacheinander. Auf dem Jakobsweg will sie jeweils 4-5 Etappen täglich laufen und dabei 16-18 Std unterwegs sein.

Zum Glück hat die Pensionsleiterin klar gemacht, dass sie erst um 6h losrennen darf…ich bin dann wie geplant um 6h aufgestanden.


Um 7h bin ich, nachdem ich noch Sandwich, Bananen und 3 Liter Wasser eingekauft hatte, mit Vollgepäck (17 kg) vom Garten der Unterkunft los  marschiert.


Das berühmte Ausgangstor in SJPDP. Der Weg führt direkt nachher steil an. Ich bin trotz der von Stunde zu Stunde zunehmenden Hitze, dank meiner guten Vorbereitung, gut vorwärts gekommen.


Nach 5 Std hatte ich den 2. Pass erreicht und nach 8 Std inkl. Pausen war ich im Ziel (reine Laufzeit wird 7:45 für gute Läufer vorgeschlagen).


Hier der Col de Lepoeder.

Ich muss zugeben, dass war der härteste Fussmarsch in meinem Leben. Die Durchhalteparolen halfen.


Nicht der Rigimarsch und auch nicht meine Zeit bei den Jagdpionieren im Militär ist mit dieser Etappe zu vergleichen. Trotzdem boten sich mir auf dem Weg wunderschöne Ausblicke über die Pyränen.


Die mörderische Hitze um die 40 Grad, praktisch kein Schatten beim Aufstieg und der sehr steile Abstieg brachten mich an den Rand der Belastungsgrenze. Die Hitze war 10x schlimmer zu ertragen als Schnee und Kälte beim Rigimarsch. Ich habe bei dieser Etappe fast 5 Liter Wasser getrunken (zum Glück gab es unterwegs den berühmten Rolandsbrunnen zum nachfüllen).


Trotzdem war ich am Abend immer noch durstig. Gegessen hab ich unterwegs nicht viel: 3 Bananen, 1/2 Sandwich und ein paar Macadamia Nüsse.


Die einzige kath. Unterkunft (sie steht allen Konfessionen offen) in Roncevalles ist neu erstellt für 400 Pilger und top modern ausgerüstet. Der Preis für Unterkunft und Verpflegung (3 Gang Nachtessen und Frühstück) belief sich auf € 17 auch hier waren wieder viele Freiwillige! die sich um die Pilger gekümmert haben. Der Clou für mich war, dass man für € 3.50 die Wäsche von den Freiwilligen waschen lassen konnte (aber nur die den Rucksack selbst über die Berge trugen). Ich hab der netten Holländerin freiwillig € 10 bezahlt dafür hat sie mir die Wäsche getrocknet und sogar noch gebügelt ;-). Ich stellte  unterwegs fest, dass die meisten Pilger mit leichtem Tagesrucksack unterwegs waren und sich das schwere Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft tragen/bringen lassen. Der Höhepunkt war, dass kurz vor der Passhöhe ein Kleinbus hielt und 10-15 Frauen ausstiegen und diese erst ab dort dann marschiert sind.

Um 18h hab ich dann noch die Pilgermesse besucht, die in 3 Sprachen gehalten wurde und rammelvoll war. Alle Länder, aus denen an diesem Tag die Pilger stammten wurden namentlich und mit Anzahl (total 25) erwähnt (Schweizer gab es nur 2) Am Schluss der Messe wurden nur die ca 40-50 Pilger (es gab auch sonst noch viele Touristen in der Kirche) nach vorne gebeten. Der Chef Pfarrer erkundigte sich wie es uns ging und ob sich die Schmerzen und Blessuren in erträglichem Rahmen bewegten und wünschte uns allen viel Kraft und Durchhaltevermögen für den Weg nach Santiago.
Nach dem feinen 3 Gang Menü bin ich schon um 21:30h nudelfertig aber überglücklich im Tiefschlaf versunken.